Foto-Aufgaben & Fotoprojekte als „Entwicklungshilfe“
In diesem Gast-Beitrag für den Blog der Fotoschule Hannover berichtet Petra Spieß über ihre Erfahrungen mit Foto-Aufgaben und Fotoprojekten. Denn beides hat ihr sehr geholfen dabei, intensiv am Thema zu bleiben und ihre Fotografie weiterzuentwickeln.
Ich heiße Petra und habe schon als Jugendliche gerne fotografiert. – Angefangen hat es mit meiner ersten Ritsch-Ratsch von Agfa, die am Ende immer etwas „hing“ und die Filme nicht richtig weitertransportierte. Teilweise entstanden dabei Fotos, die mir durchaus gefielen, aber mir war nicht klar, wie sie zustande kamen. Später sollte ich dann erfahren, dass es sich um Doppelbelichtungen handelte.
Fotoprojekte während des Lockdowns
Mit dem konsequenten Erlernen der Fotografie habe ich dann aber erst viel später begonnen. – Während der Pandemie fand ich über das Internet das Angebot eines Fotografen, der während des Lockdowns sehr strukturiert und engagiert jeden Tag eine Foto-Aufgabe stellte und im Anschluss die eingereichten Fotos der Gruppe über Zoom erklärte.
Er gab Hinweise und Tipps, unermüdlich Erklärungen über die Grundlagen der Fotografie, und alle in der Gruppe machten riesige Fortschritte. Ich nahm an spezialisierten Kursen teil, wie Makro- und Porträtfotografie, und habe dadurch viel gelernt. Einmal erstellten wir ein Langzeitprojekt, das auch viel Spaß gemacht hat. Die eingeschriebenen „Mitschüler“ berieten sich gegenseitig, wenn sie Zweifel hatten, und halfen dabei, Ideen zur Verbesserung der Bilder zu finden, wenn es einmal nicht mehr weiterging. Mein Projekt damals hieß „Verblühte Schönheiten“. Und nein, dabei handelte es sich nicht um hübsche alte Damen, sondern verwelkte Blumen, die in den Wintermonaten immer noch am Wegesrand zu finden waren.
Die Corona-Zeit verging wie im Fluge und ich spürte den Wunsch nach neuen Inputs. Während meine Kameraausrüstung umfangreicher wurde und ich mit den unterschiedlichsten Genres und Techniken experimentierte, ging es mir vor allem um die Weiterentwicklung meines „eigenen fotografischen Blicks“. Ich wollte meine Fotos nicht nur oberflächlich betrachten, sondern sie wirklich „lesen“ und verstehen lernen. Unabhängig davon, ob meine Arbeit jedem gefiel, war mein Weg klar: Ich wollte dahin kommen, voll und ganz hinter meinen Aufnahmen zu stehen.
Zwei Fotos, die mit Lensbaby-Objektiven entstanden sind. – Oben: Lensbaby „Sweet 50“ an einer Sony alpha 6400. Unten: Märzenbecher bei Hameln, mit Lensbaby „Sol 45“ an Vollformat aufgenommen.
Level-up: together.
Während dieser intensiven Lernphase mit Foto-Aufgaben und -projekten entstand etwas ganz Besonderes: unsere Fotogruppe, die wir „Fünf Fotofrauen“ nannten. Uns war sofort klar, dass wir voneinander lernen wollten. Wir beschlossen, uns gegenseitig zu beraten, konstruktiv zu kritisieren und auf Details aufmerksam zu machen, die unsere Bilder noch besser machen könnten. So lebt auch unsere Fotogruppen von Fotoprojekten und Foto-Aufgaben … und dem Austausch über unsere Fotos.
Bis heute treffen wir uns also regelmäßig online, um unsere Fotos zu besprechen und neue Projekte zu realisieren. Wir organisieren Online-Vernissagen, treffen uns jedes Jahr zu einem Fotowalk, bei dem wir abwechselnd die Heimat einer von uns erkunden.
Foto-Aufgaben und Fotoprojekte in der Fotogruppe!
Diese Fotogruppe ist für mich eine wichtige Hilfe dabei geworden, meinen eigenen fotografischen Blick zu schärfen. Die Mischung aus kritischem Feedback und dem gemeinsamen Schaffen macht sehr viel Spaß und bringt uns alle weiter. (Den Link zu unserer Website findet ihr unten.)
Das Interesse an einer intensiveren und konzentrierteren Fotografie führte mich zu seriellen Arbeiten. So entdeckte ich die Drittelregel-Fotoschule, mit der ich einen ganz neuen Ansatz kennenlernte: Anhand eines vorgegebenen Begriffs sollten wir Fotoserien entwickeln.
Das Serien-Projekt förderte vor allem den Austausch. Wir berieten uns gegenseitig, teilten unsere Ideen in Mood-Boards, um die Grundidee jedes Einzelnen zu verstehen. Und wir tauschten uns über die kreativen Herangehensweisen aus. Obwohl vieles dem ähnelte, was ich bereits kannte, lernte ich einige neue Wege, um kreativ zu werden und mich ganz auf ein Fotoprojekt einzulassen.
Meine wichtigste Erkenntnis aus den letzten Jahren: Es gibt überall etwas zu lernen und mitzunehmen. Auch wer nicht immer mit allen Tipps und Hinweise übereinstimmt, kann doch auch aus gegenteiliger Meinungsbildung dazulernen. Genau das ist es, was Entwicklung ausmacht.
Das Thema hinter diesem Foto hieß „Gebraucht“. Ich hatte mich für Stühle entschieden.
Gemeinsam lernen, fortschreiten, sich austauschen.
Foto-Aufgaben & Fotoprojekte als „Entwicklungshilfe“
Auf der Suche nach einem Fotowalk bin ich auf das Projekt „Mein Alltag“ gestoßen, das Thomas den LeserInnen des Newsletters der Fotoschule Hannover vorgeschlagen hatte. Dieses Projekt kam mir gerade recht, weil ich im Moment wenig Zeit habe, mich intensiv der Fotografie zu widmen, aber trotzdem fotografieren wollte. Die Aufgabe schien schnell zu erledigen zu sein. Aber sie entpuppte sich doch bald als kleine Herausforderung, denn fast immer vergaß ich ein oder mehrere Fotos für den kompletten und nachvollziehbaren Ablauf meines Alltags.
Es hat also mehrere Anläufe für diese Aufgabe gegeben, es gab unschlüssige Endfotos und manche Ungereimtheiten mehr … So ziemlich auf den letzten Drücker konnte ich „abgeben“, also habe ich es geschafft. Das Fotoprojekt war lehrreich, weil es zu überlegen galt, was ich darstellen kann und möchte. Dazu habe ich keine Notizen gemacht, nichts ausgefeilt, denn ich wollte es fließen lassen.
Das hat Spaß gemacht. Die Besprechung über Zoom war auch sehr interessant. Es ist immer schön, neue Menschen und deren Intentionen kennenzulernen.
Ich freue mich auf euren Besuch auf unserer bzw. meiner Website: fotofrauen.de und petra-spiess.com
Und es wäre großartig, wenn ihr eure Erfahrungen mit Fotoprojekten und Foto-Aufgaben hier in den Kommentaren mit uns teilt.
Vielen Dank dafür.
Petra





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