Was ist eigentlich ein gutes Foto?
Eine Annäherung in Bildern, Gedanken und Erfahrungen
Gute Fotos erkennt man sofort – hörst du oft.
Und trotzdem: Wer versucht, in Worte zu fassen, was ein gutes Foto wirklich ausmacht, merkt schnell, dass es komplizierter ist. Oder besser gesagt: vielschichtiger. Es gibt keine einfachen, keine eindeutigen, keine allgültigen Antworten. Aber diese Frage gibt immer wieder Anlass zu Analysen, Diskusssionen, Erkenntnisssen. Und das ist sehr gut so.
In unserer Podcast-Folge „Was ist eigentlich ein gutes Foto?“ tauchen wir genau in diese Frage ein. Und in diesem Blogbeitrag nehme ich dich noch ein Stück tiefer mit – mit Beispielen, praktischen Gedanken und einer Einladung, deine eigene Sichtweise auf „gute Fotos“ zu entwickeln … und zu teilen.
Technisch gut ist nicht gleich gut
Beginnen wir mit einen Blick auf die technischen Aspekte bzw. Eigenschaften von (guten) Fotos: Schärfe, Belichtung, Kontrast, Weißabgleich, Farbstimmung, ISO-Rauschen, Dynamikumfang – all das kann ein Bild objektiv messbar „richtig“ und gut oder eben auch schlecht und „falsch“ erscheinen lassen.
Ein unterbelichtetes Foto mit verwackeltem Fokus ist vielleicht technisch mangelhaft. Aber ist es deshalb kein gutes Bild?
Ein verwehter Schnappschuss oder ein zufällig „zwischendurch“ entstandenes Fotos während eines Shootings mag technisch nicht perfekt sein – aber emotional unglaublich schön. Dann ist so ein Foto doch mehr als „gut“! Ein herzliches Lachen, gar nicht für die Kamera gedacht. Ein unscharfes, halbes Gesicht: mit sehr intensiver Ausstrahlung. Schau dir mal die folgenden Fotos an.
Technisch saubere Bilder sind eine wichtige Grundlage. Aber sie sind nicht das Ziel, sondern tatsächlich eher nur der Weg. Technisch sauber zu arbeiten ist „Handwerk“ und eine wichtige Grundlage für mehr.
Gestaltung: Wenn Bildaufbau zur Sprache wird
Ein gutes Foto spricht. Und seine Sprache entsteht in der Bildkomposition. Ob durch die Drittelregel, führende Linien, Rahmungen oder den bewussten Einsatz von Perspektive und Format, von Schärfentiefe oder Bewegungsunschärfe usw. – Gestaltung hilft dir, deine Bildaussage zu entwickeln und zu auszuformulieren.
Beispiel: Im Podcast erzähle ich von einem einfachen Bahnhofsfoto (?): da sind zwei unscharfe Beine ganz prominent im Bild. Die Passanten sind von hinten an mir vorbeigegangen und habe immer dann ausgelöst, wenn ich einen schönen Rhythmus aus Menschen, Kontrasten, Spiegelungen … im Display gesehen habe. Neben anderen „guten“ Fotos ist so auch dieses entstanden. Technisch „mangelhaft“. Ich mag es sehr.
Das hast du schon klar: Gestaltungsregeln sind keine Gesetze. Aber sie helfen dir, dein Auge zu schulen, überall Fotos zu sehen – das „gute Bild“ bewusster zu komponieren. Und schließlich auch mal technische Mängel als „Aussage-Verstärker“ zu akzeptieren. Nein: gezielt zu nutzen.
Emotion & Aussage: Berührt es dich?
Technik und Gestaltung können beeindrucken. Aber berühren kann nur ein Bild, das etwas erzählt oder auslöst.
Ein gutes Foto vermittelt ein Gefühl, eine Atmosphäre oder eine Geschichte. Das kann leise sein oder laut, subtil oder plakativ, traurig oder hoffnungsvoll.
Schau dir das Titelfoto an: das war ein „Unfall“, ich habe den Auslöser im „falschen Moment“ gedrückt … und so ein (für mich) richtig gute Foto gemacht. Die Schärfe sitzt am falschen Platz und die Komposition ist mangelhaft. Aber das Foto bleibt. Es „hat was“.
Wenn du dein Bild betrachtest, frage dich, ob du etwas fühlst! Wenn ja: Was? Und wenn nicht: Warum nicht?
Der persönliche Blick: Für wen, in welchem Zusammenhang ist das Bild gut brauchbar?
Was für dich ein gutes Foto ist, muss es für andere nicht ebenfalls sein. Und das ist nicht nur okay, sondern essenziell für deinen fotografischen Weg. Denn Fotografie ist nicht objektiv. Sie ist immer auch Interpretation.
Deine Sicht auf ein Motiv, deine Stimmung beim Fotografieren, dein Kontext beim Betrachten, die Funktion, die ein Foto erfüllen soll – all das spielt mit hinein.
Ein Portrait: in einem Shooting aufgenommen und doch ganz „zufällig“ entstanden. Das Model war nur kurz abgelenkt und hört und schaut woanders hin. Es ist kein „spektakuläres“ Foto – aber es bleibt hängen. Eines meiner liebsten Portraits. Es eines der wichtigsten Bilder überhaupt, weil es eine Geschichte erzählt, Erinnerungen weckt, Vergangenheit greifbar macht.
Entwickle deinen eigenen Maßstab. Was für dich zählt, darf auch zählen. Und dich sagen lassen: „Das ist ein gutes Foto!“
Kriterien kennen – Blick schärfen
Trotz aller Subjektivität: Du kannst lernen, Fotos bewusster zu beurteilen und gezielter zu gestalten.
In der Podcastfolge stelle ich dazu ein einfaches Schema vor:
- Technik: Ist das Bild korrekt bzw. zum Motiv passend belichtet und ist es scharf?
- Gestaltung: Wie sind Linien, Formen, Farben, Licht und Schatten eingesetzt?
- Wirkung: Was löst das Bild in dir aus?
- Aussage: Gibt es eine Idee, ein Thema, eine Geschichte?
Tipp aus der Praxis: Drucke dir drei deiner Lieblingsbilder aus – und drei Bilder, mit denen du unzufrieden bist. Analysiere sie nach diesen vier Aspekten. Du wirst eine Menge über deinen Stil, dein Auge und dein Ziel lernen.
Üben, Sehen, Verstehen – und Fotos, Praxis neu bewerten
„Gute Fotos“ entstehen auch manchmal durch Zufall. Sie entstehen aber eher und mehr durch Sehenlernen, durch viel Fotopraxis, durch Fehler, durch Wiederholung – und natürlich durch den Mut, auch mal anders zu fotografieren.
Die Workshops der Fotoschule Hannover bieten dir genau das: Zeit, Anleitung und Inspiration, um deinen fotografischen Blick zu schulen und dein fotografisches Gespür zu schärfen. Und in unserem Podcast begleiten wir dich Woche für Woche auf diesem Weg – mit Impulsen, Anekdoten, kleinen Aufgaben und viel Lust auf Fotografie.
Jetzt reinhören: Zum Podcast „Abenteuer Fotografie – Der Podcast für Fotomenschen und Fotopraxis“
Selber ausprobieren: Zu den Foto-Workshops der Fotoschule Hannover
Ein gutes Foto … ist mehr als nur ein gutes Foto
Ob technisch makellos, emotional aufgeladen oder kreativ aus dem Rahmen fallend – ein gutes Foto zeigt etwas, sagt etwas und lässt etwas zurück. – Was ist deine Meinung, wie sind deine Erfahrungen? Was sind deine „guten Fotos“? Schreib das gern in die Kommentare!
Und wenn du Anleitung und konstruktive Begleitung auf deinem Weg in der Fotografie suchst, habe ich eine gute Nachricht für dich: Du kannst lernen, gute Fotos zu machen. – Nicht automatisch, auf Knopfdruck, nicht ohne Mühe, ohne Ideen und Erfahrung – aber mit Hingabe und Neugier, mit dem nötigen Wissen und mit dem richtigen Werkzeug. Das geben wir dir gern an die Hand.















0 Kommentare